Ein Mann ohne Moral: Ex-FBI-Chef Comey über Trump

comey

Zugegeben: Neu auf dem Markt ist dieses Buch nicht, doch an Aktualität hat es keinen Deut eingebüßt. Gemeint ist der Band des Ex-FBI-Chefs James Comey „Größer als das Amt“. Der Autor gibt eine Menge an Insiderwissen preis, wobei mittlerweile Trumps Umgangsformen und Verhaltensweisen hinlänglich bekannt sind. Und trotzdem gelingt es Comey dem Leser den Eindruck zu vermitteln, noch etwas mehr über den 45. Präsidenten der USA zu erfahren. Aus seiner Haltung zu Trump macht der Autor keinen Hehl, nennt ihnen einen „Mann ohne Moral“, der „ohne jede Bindung an die Wahrheit und die Werte unserer Demokratie“ handele. Dass zwischen dem Autor und seinem damaligen Dienstherrn ein tiefer Riss besteht, zeichnete sich schon ganz zu Beginn von Trumps Amtszeit ab und lässt sich auch einer kleinen Begebenheit verdeutlichen: Der Präsident sprach über Loyalität, die er benötige. Comey erwiderte, Ehrlichkeit könne er von ihm bekommen.

Dass der Verfasser nicht unumstritten ist und die Demokraten angesichts der Mailaffäre von Hilary Clinton, in der Comey eine maßgebliche Rolle spielte, ihm vorwarfen, er habe an der Niederlage der Kandidaten einen erheblichen Anteil, darf sicherlich nicht unerwähnt bleiben. Ebenso sind Konservative der Ansicht, Comey habe schon sehr früh alles daran gesetzt, um Trump aus dem Amt zu jagen. Das Buch bietet eine gute Möglichkeit, zu einer eigenen Einschätzung zu kommen, was den studierten Juristen antreibt. In seinem Buch geht er aber nicht nur auf Trump ein, sondern beschreibt seinen eigenen Lebensweg und erzählt auch von den Jahren als stellvertretender Justizminister unter George W. Bush. Viel Schmeichelhaftes über einen Präsidenten ist auch hier nicht zu erwarten, wobei es dann doch noch Unterschiede zwischen Bush und Trump gibt. Ganz anders verhält es sich mit Obama, der Comey zum FBI-Direktor ernannt hat. Es wirkt allerdings nicht wie ein Dank, zu dem sich der Autor verpflichtet fühlt, es ist eher seine Überzeugung, dass er Obamas Amtsführung Respekt entgegenbringt.

James Comey: Größer als das Amt, 384 S., Droemer Knaur, Hardcover: 19,99 Euro, E-Book: 14,99 Euro, Taschenbuch: 12.99 Euro

 

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K&K – Kurz und knapp: Fraglicher besserer Wert zur Pressefreiheit

Die Nachricht kling gut: Deutschland ist auf der Rangliste der Pressefreiheit zwei Plätze nach vorne gerutscht: Die Bundesrepublik belegt jetzt den 13. und nicht mehr den 15. Rang. Doch die Schlussfolgerung, die man daraus ziehen könnte, trifft nicht zu: Die Arbeitsbedingungen von Journalisten sind keineswegs besser geworden, im Gegenteil: Angriffe auf Medienschaffende sind 2018 gestiegen. Das alles geht aus dem neuen Bericht der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ hervor. Als Beispiele für die Übergriffe werden die Demonstrationen in Chemnitz aufgeführt, bei denen Protestierende auf Journalisten losgegangen sind und ihnen das Handy aus der Hand schlugen oder auch die Kamera. Hinzu kamen verbale Attacken. Probleme haben sich laut ROG auch durch neue Gesetze ergeben. Hier werden explizit das Netzwerksdurchsuchungsgesetz gegen Hassbotschaften im Internet genannt und das BND-Gesetz, das es erlaubt, ausländische Journalistinnen und Journalisten im Ausland durch den Bundesnachrichtendienst zu überwachen. Alle weiteren Details unter Rangliste der Pressefreiheit 2019

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Überraschende Anmerkungen von Hans Leyendecker

 
Presseverein Ruhr - JHV 2019 (87)
Hans Leyendecker war beim Presseverein Ruhr zu Gast,
hier zusammen mit dem Vorsitzenden Kay Bandermann.
(Foto: Pal Delia)

Wenn man mit investigativem Journalismus in Deutschland Personen verbindet, dann dürfte Hans Leyendecker mit dazu gehören. Beim Presseverein Ruhr war er zu Gast und hatte quasi eine Doppelrolle. Denn er war nicht nur als Journalist gefragt, sondern auch als Präsident des Evangelischen Kirchentages, der vom 19. bis 23. Juni in Dortmund stattfindet. Der 69-Jährige sprach über seine Funktion und ging natürlich auf den Journalismus ein – mit einigen überraschenden Anmerkungen. Dazu ein Beitrag auf den Revierpassagen: https://www.revierpassagen.de/92022/investigativ-reporter-hans-leyendecker-wir-hatten-noch-nie-einen-so-guten-journalismus/20190316_2228

Presseverein Ruhr - JHV 2019 (60)
Stellte sich den Fragen der Journalisten:
Hans Leyendecker.
(Foto: Pal Delia)

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K&K – kurz und knapp: Journalismus steht vor schwierigen Aufgaben

Der Leitartikel in der aktuellen Spiegel-Ausgabe bringt die Situation im Journalismus auf den Punkt: Es geht nämlich um die Frage, auf wie viel Journalismus eine Demokratie eigentlich verzichten kann? Autor Markus Brauck macht sehr deutlich, welche Folgen es hat, wenn der Journalismus seine Funktion nicht mehr entsprechend erfüllt. Untersuchungen zufolge nimmt die Korruption zu, radikale Kräfte haben es leichter und, dass Trump in Gegenden punkten konnte, in denen „kritischer, analysierender, abwägender Journalismus Mangelware ist“, sei wohl auch kein Zufall, so Brauck. Der Verfasser hat eine klare Botschaft: Redaktionen sollen sich überlegen, was sie dem Leser bringen, was andere nicht bringen. Aber reicht das, so ist doch zu fragen? Bildungseinrichtungen und viele weitere Träger, die zu den Grundfesten der Demokratie gehören, sind ebenso gefordert, Journalismus zu fördern – auch wenn er für sie selbst mal unbequem sein sollte.
http://www.spiegel.de/plus/das-zeitungssterben-bedroht-die-demokratie-kommentar-a-00000000-0002-0001-0000-000162664663

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Neuer und packender Krimi von Sofie Sarenbrant

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Die Schwedin Sofie Sarenbrant hat einen neuen und packenden Krimi vorgelegt. Die dunklen Seiten unter den Ordnungskräften spielen dabei eine ganz entscheidende Rolle. Auch wenn der ganze Plot fiktiv ist, kann man sich des Eindrucks nicht verwehren, dass die ganze Geschichte recht realitätsnah daherkommt – auch angesichts mancher Meldungen, die man hierzulande vernehmen kann.
Die ausführliche Besprechung ist hier zu finden:
https://www.revierpassagen.de/84674/schweden-krimi-um-mordserie-an-bettlern/20190128_1007

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k & k – kurz und knapp: Plastikverbot braucht einen Vorbehalt

Die Europäische Union sagt bekanntlich Plastik den Kampf an. Teller, Strohhalme und ähnliches mehr – aus Kunststoff gefertigt – sollen in Gänze verschwinden. Wenn man sich ansieht, welche Verschmutzung diese Materialien anrichten, wie viele Tiere sterben, dann kann man die Entscheidung nur befürworten. Sollte es nicht noch viel schneller vorangehen und noch mehr Plastik verboten werden? Eigentlich ist diese Frage mit einem klaren Ja zu beantworten. Nachdenklich stimmt aber, wie es mit einem Ersatz aussehen würde. Papierbasierte Lösungen bieten sich nun wohl an, wobei dann aber gewährleistet sein sollte, dass dadurch nicht an anderer Stelle Umweltprobleme neu geschaffen oder verstärkt werden. (700 Zeichen)

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Worüber man reden sollte

In der Wochenendausgabe 29./30. Dez. 2018 der Süddeutschen Zeitung hat Stefan Ulrich einen sehr prägnanten Artikel über die wirklich wichtigen Fragen und Themen in heutiger Zeit geschrieben. Der Titel lautet:

Viel Lärm um wenig

2018 war ein lautes Jahr – der deutsche Streit über Flüchtlinge, das Gepolter der Populisten
in aller Welt. Im Gebrüll ging einiges unter, worüber man eigentlich reden sollte

Jeder kennt das aus seinem Leben: Eine
besonders unangenehme Herausforde-
rung steht an, Prüfung, Streitgespräch,
Jobwechsel oder Fastenkur. Doch anstatt
sich damit auseinanderzusetzen, weicht
man auf andere Aufgaben aus. Kleider-
schrank aufräumen, Auto putzen, Einkäu-
fe. Die eigentliche Herausforderung wird
dadurch nicht geringer, im Gegenteil.
Doch sie ist fürs Erste verdrängt.
Nicht anders ergeht es ganzen Gesell-
schaften samt ihrer Politik und den Medi-
en. Sie stürzen sich auf Themen und strei-
ten sich über Fragen, die im Augenblick
eher zweitrangig sind, weil die wirklichen
Probleme zu komplex oder verstörend wir-
ken, um sich ihnen zu stellen. So beschäf-
tigte sich Deutschland in diesem Jahr wie-
der obsessiv mit der „Flüchtlingskrise“,
obwohl diese Krise seit ihrem Höhepunkt
im Jahr 2015 erheblich entschärft wurde.
Die Zahlen der Asylbewerber und
Kriegsflüchtlinge gingen stark zurück. Ab-
kommen mit Staaten wie der Türkei brin-
gen Entlastung. Die Behörden sind besser
auf Aufnahme und Integration einge-
stellt. Dennoch wäre Mitte des Jahres die
Bundesregierung fast zerbrochen am
Streit über die Flüchtlinge. Dabei ging es
besonders um die Frage, ob Asylbewer-
ber, die in einem anderen EU-Staat regis-
triert wurden, an der Grenze zurückzuwei-
sen sind. Erst als ein erheblicher Teil der
politischen Energie wochenlang für die-
sen Konflikt aufgewendet wurde, kam es
zu,m Kompromiss. Dessen Bilanz, Stand
Mitte Dezember: eine zerrupfte Union, ei-
ne gestärkte AfD – sowie sieben Men-
schen, die an der deutsch-österreichi-
sehen Grenze zurückgewiesen wurden.

Kurz darauf drohte die Koalition an ei-
nem drittrangigen Problem zu zerplatzen:
dem Umgang mit einem Verfassungs-
schutzpräsidenten, der aus der Rolle gefal-
len ist. Auch da gin~ es um die MD, wie
überhaupt alles.was sich mit dieser Partei
verbinden ließ, immense Aufmerksam-
keit genoss. Andere, wirklich vitale Fra-
gen wurden nicht annähernd so leiden-
schaftlich diskutiert. Energie und Auf-
merksamkeit sind endliche Ressourcen.

Zu kurz kamen 2018 lange soziale The-
men und die Frage der Gerechtigkeit.
Niedriglöhne, geringe Renten, Altenpfle-
ge, Mieten, Verteilung des Reichtums
oder die immensen künftigen Belastun-
gen für die junge Generation rückten erst
richtig in den Vordergrund, nachdem
CSU, CDU und SPD krachende Wahlnie-
derlagen eingefahren hatten. Damit stand
Deutschland keineswegs allein
Deutschland keineswegs allein .. Frank-
reich drohte ins Chaos zu gleiten, weil
Präsident Emmanuel Macron die Unzufriedenheit
vieler Menschen über echte oder vermeintliche
Ungerechtigkeiten unterschätzt hatte. Und in Italien
gelangten vor allem deshalb Nationalpopulisten
an die Macht, weil sich viele Italiener ungerecht
von der EU behandelt wähnten.

Zweifel an der sozialen Gerechtigkeit,
ein Gefühl, vernachlässigt zu werden, und
Argwohn, eine global agierende Elite ver-
teile allen Reichtum unter sich, zersetzen
das Modell der liberalen, westlichen De-
mokratie. Sie untergraben die Idee der Zu-
sammenarbeit über Grenzen hinweg. Und
sie stärken die Sehnsucht nach autoritä-
ren Führern und homogenen
Volksgemeinschaften in säuberlich
abgegrenten Nationalstaaten.
Die Frage nach sozialer Gerechtigkeit
im globalen Kapitalismus verdient im
kommenden Jahr höchste Aufmerksam-
keit und passionierten Streit. Ähnliches
gilt für den Umgang .mit Techno-Riesen
wie Amazon, Google und Facebock. Ihre
fast globale Monopolstellung ist ein Desas-
ter für jede Ordnungspolitik. Ihre Macht
wird größer als die vieler Staaten, die Ge-
fahr des Missbrauchs dieser Macht
wächst bedrohlich. Darüber zu debattie-
ren, ist wichtiger, als über.den Schutz der
deutsch-österreichischen Grenze vor einigen
Asylbewerbern.         –

Oder China. Ein faszinierendes, dyna-
misches Land, das danach strebt, zur Welt-
macht zu werden, wirtschaftlich, militä-
risch, geopolitisch. Was nicht so problema-
tisch wäre, wenn sich dieses Land nicht ge-
rade in eine totalitäre Diktatur zurückent-
wickeln würde. Eine Diktatur, die nicht da-
vor zurückschreckt, die sich rasant entwi-
ekelnde künstliche Intelligenz zur totalen
Überwachung und Manipulation der Bür-
ger einzusetzen. Wie umgehen mit China?
Wo Grenzen setzen? Und womit? Darüber
zu diskutieren ist aller Mühen wert.

Schließlich Europa, das so sehr ge-
braucht würde in einer Zeit, in der die USA
schlingern, autoritäre‘ Herrscher auf-
trumpfen und die Menschheit dabei ist,
ihren Planeten zu zerstören. Urwälder.
Ozeane, Klima. Staaten und Bürgern der
EU dürfte da eigentlich nichts wichtiger
sein, als ihre Union zu stabilisieren und zu
stärken. Doch derjenige, der das in jüngs-
ter Zeit am ehesten versuchte, der Franzo-
se Macron, wurde alleingelassen.

Immerhin, im kommenden Frühjahr
sind Europawahlen. Sie bieten die Gele-
genheit, 2019 über wichtigere Themen zu
streiten als im vergehenden Jahr.

 

 

 

 

 

 

 

 

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