Klassik für Kinder: Ein Buch, das die junge Generation dazu bringen sollte, mehr zu lesen

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Wenn Kinder auf Klassik treffen, begegnen sich in aller Regel fremde Welten. Denn, was sagen der jungen Generation schon Namen wie Goethe, Schiller, Hölderlin, Kleist oder Herder. Einige ihrer Werke stehen zwar in den Schulen auf dem Stundenplan – meist auch, wenn aus den Kindern Jugendliche geworden sind – aber das heißt ja noch lange nicht, dass beim jungen Leser auch Interesse geweckt wird. Der Kamener Autor Heinrich Peuckmann hat jetzt einen schmalen und zugleich sehr schönen Band herausgebracht, der einen durchaus auffordernden Titel trägt: „Entdecke die Klassische Literatur“. Dass der Anfangsbuchstabe des Adjektivs als Versalie geschrieben ist, verdeutlicht, welchen Rang die Werke aus der Zeit des 18. und beginnenden 19. Jahrhundert haben.

Heinrich Peuckmann beschreibt nun einerseits das Leben der nahmhaften Schriftsteller vor und bringt andererseits die Inhalte ihrer wichtigsten Werke auf den Punkt. Die Stärke seines Buches liegt darin, dass er die meist komplexen Zusammenhänge auf ihre Kernaussagen konzentriert und dazu noch leicht verständlich schreibt. Da zeigt er bei einem  – für manche Oberstufenschüler doch recht sperrigen – Werk wie Iphigenie auf Tauris die eigentliche Essenz dieses Stücks auf, und der Leser ist gleich mittendrin in der Frage, was eigentlich Humanismus bedeutet. Ebenso anschaulich gerät die Beschreibung von Goethes Faust, „vielleicht das wichtigste Werk der deutschen Literatur überhaupt“, wie es der Buchautor formuliert. Auch hier führt er den Leser durch ein komplexes Werk, um am Ende die eigentliche Intention und die Urfrage der Menschen, was nämlich wohl die Welt zusammenzuhalten vermag, ganz klar und deutlich herauszustellen.

Aber keine Sorge: Peuckmann nimmt nun nicht ein klassisches Werk nach dem anderen aus dem Regal, um sie dann alle nach und nach vorzustellen. Er skizziert vielmhr auch die Biographien aller namhaften Dichter und Denker. Dass der Leser über Schiller und Goethe dabei deutlich mehr erfährt als über Hölderin oder Kleist, ist selbstredend. Goethe hat nun mal einer Epoche seinen Stempel aufgedrückt und führte – nach heutigen Maßstäben – ein umtriebiges Leben. Daher ist ses chon fast eine Pflicht, auch von seinem Privatleben, seinen Liebschaften und seinen experimentellen Ausflügen in die Naturwissenschaften zu erzählen. Goethes Italienreise, die an das geflügelte Wort erinnert „Ich bin dann mal weg…“ räumt Peuckmann ebenso einen hohen Stellenwert ein, zumal es dem Dichter offensichtlich gelungen ist, die in damals plagende innere Schreibblockade aufzubrechen. Denn in der Zeit vor seiner Abreise lagen viele Werke als Unvollendete in seinem Haus.

Zudem schafft es Peuckmann, die Dichter nicht nur in ihrer Rolle als Schriftsteller vorzustellen, sondern sie auch in der gebotenen Kürze mit den verschiedenen Facetten ihrer Persönlichkeit zu zeichnen. Goethes Liebschaften, Schillers Krankheit, Hölderlins Besonderheiten, um nur drei Beispiele zu nennen, tragen wesentlich dazu bei, sich ein facettenreiches Bild von den Dichtern machen zu können.

Wenn Peuckmann am Ende daran erinnert, dass nicht weit entfernt von Weimar, wo Goethe, Schiller und all die anderen gelebt haben, das KZ Buchenwald liegt, dann ist diese Beschreibung eine wichtige Fortführung in dem Buch. An dem Ort, vor den Toren der Stadt, herrschte während der Nazi-Herrschaft eine kaum vorstellbare Barbarei – und das in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Ort, der einst als Sammelpunkt für Schriftsteller galt, die das Ideal des Humanismus mit ihren Werken zum Ausdruck brachten.

Heinrich Peuckmann: Entdecke die Klassische Literatur Autumnus-Verlag 66 Seiten, 10,90 Euro

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Die Sommerferien sind gerade zu Ende, da liegt schon der Kalender für 2018 im Postkasten

Eigentlich hätte dieser Text schon vor ein paar Tagen geschrieben werden müssen, denn so lange liegt das Objekt der Betrachtung schon im Haus, gemeint ist der Kalender für das kommenden Jahr, den jetzt ein Wohlfahrtsverband verschickt hat. Zunächst einmal heißt es natürlich, sich zu bedanken, es wird einem ja eigentlich sonst selten bis nie etwas geschenkt. Wobei – eine kleine Spende wäre vielleicht doch gewünscht, mitunter fühlt man sich auch verpflichtet, gerade einer Organisation, die sich um die Not in der Welt kümmert, den einen oder den anderen Euro zukommen zu lassen. Wenn man aber genauer nachdenkt, was als Präsent zugestellt wurde, ruft das doch Verwunderung hervor. Beim Blick auf den aktuellen Kalender stellt man ja  nun mal fest, dass gerade erst der September begonnen hat und in NRW die Sommerferien zu Ende gegangen sind, Möglicherweise hat sich der Verband an den Spruch erinnert: „Der frühe Vogel fängt den Wurm“. Noch dürften die meisten Adressaten keinen Kalender für 2018 in der Schublade liegen haben und daher auch gewillt sein, einige Euro für wohltätige Zwecke abzuzwacken. Doch andererseits hat ein solches Geschenk auch ein Geschmäckle. Jetzt schon an Silvester denken und das vorgelagerte Fest der Feste? Ist das nicht alles viel zu früh und gerät somit ein Jahresverlauf zu einem Einheitsbrei? Der Verband braucht sich aber nicht zu sorgen, dass er allein auf weiter Flur ist. Den Lebkuchen und auch den Schmuck für die Tanne gibt es schon längst käuflich zu erwerben.

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Spannende Abenteuer und eine verzwickte Geschichte aus dem Venedig des frühen Mittelalters

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Ruhm und Ansehen verschafft man sich durch heldenhafte Leistungen – nicht nur, aber auch. Das war früher keineswegs anderes als heute, wenngleich man inzwischen mit dem Begriff Held vielleicht ein wenig vorsichtiger umgeht. Damals, in Zeiten von Spätantike und frühem Mittelalter, wollten viele Herrschende mit einer Glanztat überzeugen und vor allem beim Volk Eindruck schinden. Oftmals waren es Schlachten und Kriege, die des Ruhmes und der Ehre wegen geführt wurden. Doch es gab auch andere Geschichten, wie die, die Dirk Husemann in seinem neuen Buch „Eispiraten“ erzählt. Zugegeben: Ganz unblutig geht es in dem Roman nicht zu, aber das wird man bei einer Episode aus jener Epoche auch kaum erwarten können.

Die historische Vorlage liefert eine Begebenheit aus dem Venedig des 8. Jahrhunderts. Der Doge, also das damalige Stadtoberhaupt,  will die Bürger damit beeindrucken, dass er die Gebeine des heiligen Markus, einem der vier Evangelisten, herbeischafft und ihnen einen würdigen Aufenthaltsort zukommen lässt. Soweit der Plan, der unter anderem einen nicht zu vernachlässigenden Haken hat. Die sterblichen Überreste befinden sich irgendwo im ägyptischen Alexandria, das zudem noch von den Sarazenen besetzt ist. Bleibt also nur die Möglichkeit einer waghalsigen Schifffahrt und die bange Frage, wie wohl die Herrschenden in Alexandria reagieren.

Dem Autor gelingt es, den Leser vor allem dadurch zu fesseln, dass Seefahrer Alrik und dessen Mannen, die der Doge für dieses Himmelfahrtskommando gewinnen kann, immer wieder gefährliche Abenteuer erleben. Fesselnd und packend kommt der Roman aber auch daher, weil mehrere Handlungsstränge, von denen jeder für sich schon ungemein spannend ist,  miteinander verwoben werden. Unter anderem heckt die Tochter des mächtigen Venezianers einen sehr eigensinnigen und für junge Frauen seinerzeit eigentlich undenkbaren Plan aus, den sie auch in die Tat umzusetzen weiß, was wiederum beim Vater eine Mischung aus Sorge und Verärgerung hervorruft.

Wenn man gehofft hat, mit dem Erreichen von Alexandria sei das Ziel erreicht und das Abholen der Gebeine nur noch reine Formsache, dann zeigt der Roman, dass die wahren Probleme erst jetzt anfangen. Zahlreiche weitere Verwicklungen – unter anderem geht es dabei auch um die Existenz der vermeintlichen sterblichen Überreste – sorgen für unvorhergesehene Momente, mit denen Dirk Husemann den weiteren Gang der Dinge zu bereichern weiß. Beeindruckend ist immer wieder sein sprachliches Geschick verbunden mit einer der damaligen Zeit entsprechenden Wortwahl. Um Missverständnissen vorzubeugen: Der Lesefreude gereicht das keineswegs zum Nachteil, vielmehr gelingt es mit diesen Begrifflichkeiten, sich in die damalige Lebenswelt viel besser hineinzuversetzen. Zu dieser gehörte auch der Glaubenskampf zwischen dem noch jungen Islam und dem Christentum, das im römischen Reich einst zur Staatsreligion ausgerufen worden war. Entsprechende Auseinandersetzungen gehörten in einer Stadt wie Alexandria zum Alltag, wie es der Autor keineswegs aufbauschend, sondern vielmehr sehr realistisch darstellt.

Wie auch schon in beiden vorangegangenen Romanen „Ein Elefant für Karl den Großen“ und „Seidendiebe“ gelingt es Dirk Husemann eindrucksvoll, den Lesern ein sehr plastisches Bild von einer längst vergangenen, vielleicht auch vergessenen Welt zu liefern. Dazu tragen die Liebe zum historischen Detail ebenso bei wie eine prägnante Beschreibung von Charakteren.

Warum aber, fragt man sich beim Blick auf das Buchcover, heißt das Buch eigentlich „Eispiraten“, wenn doch Gebeine eine Schlüsselrolle spielen? Dirk Husemann, studierter Archäologe, hat im übertragenen Sinn ein Naturereignis ausfindig gemacht, mit dem man einst in der Tat Eis gewonnen und transportiert hat. Doch dieses Phänomen soll nicht das einzige verblüffende Element bleiben. Unvorhergesehene Wendungen im Lauf der Ereignisse bringen mehrfach überraschende Momente mit sich. Das gilt bis zum Schlussakkord, mit dem es dem Dogen gelingt, sich dann doch noch ins rechte Licht zu rücken.
Dirk Husemann: Die Eispiraten, Bastei Lübbe Taschenbuch, 480 Seiten.ISBN 3-404-17541-7, 11 Euro

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Ein Megamuseum für afrikanische Kunst der Gegenwar

https://www.facebook.com/ZeitzMOCAA/

Wenn die westliche Welt von afrikanischer Kunst spricht, dann beschränkt sich der Blick meist auf Holzschnitzereien, Masken oder Statuen. Im September wird nun in Kapstadt ein Museum eröffnet, das herausstellen will, wie vielfältig die Kunst des Kontinents wirklich ist. Aber nicht nur das soll mit dem Museum of Contemporary Art Africa, kurz Mocaa, zum Ausdruck kommen. Ebenso soll spürbar sein, welche Faszination von dieser Kunst des Kontinents ausgeht und schließlich soll das Museum vor allem eines belegen: Afrika hat sich kulturell emanzipiert und vom langen Schatten seiner ehemaligen Kolonialmächte befreit. Angesichts der Tragweite eines solchen Ansinnens wird schon jetzt davon gesprochen, dass Mocaa sicherlich noch eine solchen Stellenwert erlangen wird wie ihn das Museum of Modern Art in New York oder das Guggenheim-Museum in Bilbao heute bereits haben.

Der ausführliche Bericht findet sich in der aktuellen Ausgabe des Heftes „Africa positive“, das unter anderem noch folgende weitere Themen beinhaltet:
– Rückblick auf den G20-Gipfel aus afrikanischer Perspektive
– Potenziale des schwarzen Kontinents für die Zukunft
– ein Beitrag von Gerd Müller, Bundesminister für wirtschafliche Zusammenarbeit, zu seiner Idee eines Marshallplanes für Afrika
– eine Geschichte über eine sechsköpfige Schulgruppe aus Ghana, die nicht nach Deutschland kommen durfte
– ein Portrait über Kati Holtmann, die nicht nur die Werbetrommel für den Verein Africa Positive rührt, sondern auch zugleich dessen ältestes Mitglied ist.
– die afrikanische Revolution in Burkina Faso 2014 im Licht einer Fotoausstellung
– Rückblick auf das 8. Afro Ruhr Festival.

Weitere Informationen zum Heft und zum Verein unter
http://www.africa-positive.de

 

 

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Skurille und hintersinnige Geschichten von Alissa Walser

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Auch wenn man in den vergangenen Wochen wohl oft überlegt hat, ob denn dieser Sommer seinen Namen eigentlich verdient hat, ändert dieser Tatbestand nichts daran, dass in einigen Bundesländern, darunter Nordrhein-Westfalen, die Sommerferien gerade ihren Zenit erreichen. Das wiederum bedeutet im Umkehrschluss: Die Freizeitquote dürfte deutlich höher liegen und viele Menschen werden sich fragen, wie sie es mit der Kurzweil halten sollen. Empfehlenswert ist da beispielweise die Lektüre von Alissa Walsers Band „Eindeutiger Versuch einer Verführung“. Das Buch enthält viele skurille, hintersinnige und nachdenkliche Geschichten, die es zu lesen lohnt. Dabei sollte einem nicht der Fehler unterlaufen, angesichts der Kürze mancher Erzählungen zu meinen, man könne den Band schnell und endgültig wieder zur Seite legen. Denn die Geschichten haben Tiefgang, mit dem sich der Leser durchaus etwas länger befassen kann.
Eine ausführliche Besprechung gibt es unter folgendem Link:
https://www.revierpassagen.de/44999/wesentlich-von-anfang-an-alissa-walsers-erzaehlband-eindeutiger-versuch-einer-verfuehrung/20170729_1039

 

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Den globalen Charakter erkennen

Gemeinsam lasse sich mehr erreichen, meinte Bundeskanzlerin Angela Merkel sinngemäßg am Ende des G 20-Gipfels. Nun kann man die Frage stellen, ob diese Erkenntnis auch deutlich preiswerter zu haben gewesen wäre als für 140 Millionen Euro. Aber nun mal ernsthaft überlegt: Ein solches Zusammentreffen von Staats- und Regierungschef ist absolut notwendig und auch, wenn am Ende keine folgenträchtigen Entscheidungen dabei herumkommen, ist es erforderlich, dass die Staatenlenker miteinander sprechen. Eigentlich gehören auch noch weitere Länder dazu, damit am Ende auch wirklich alle Regionen dieser Welt vertreten sind, schließlich gilt es, eine Vielzahl globaler Probleme zu lösen oder: zu erkennen, dass sehr viele Themen globalen Charakter haben.
Denkt man allerdings an den Gipfel zurück, sind natürlich die Bilder von den Randalierern im Sinn, sie haben es geschafft, sich in den Vordergrund zu drängen. Sicherlich gehört aufgearbeitet, wie es zu solchen Eskalationen kommen konnte, aber letztlich kann man die Antwort auch jetzt schon geben: Da haben sich Leute einfach verabredet, um Krawall zu schlagen – mit der Bereitschaft verbunden, Menschen zu verletzten und Sachbeschädigung zu betreiben. Wie man diesen Gruppen das Handwerk legen kann, darüber sollte nachgedacht werden. Dazu sollte man weitere Überlegungen anstrengen.

 

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Neuer Grappa-Krimi: spannend und locker geschrieben

Es ist schon sage und schreibe der 26. Grappa-Krimi von Gabriella Wollenhaupt, der da jetzt auf den Markt gekommen ist. Spannend, locker, witzig geschrieben, lässt er sich fast in einem Rutsch runterlesen, zumal man auch gerne wissen möchte, wer denn nun diesen Gutmenschen namens Martina Schrott umgebracht hat. Die Lektüre lohnt sich und bietet sich für einen lauen Sommerabend durchaus an, passt aber auch in die Winterzeit. Die ganze Rezension: http://www.revierpassagen.de/

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