Die Kriegstagebücher von Heinrich Böll: Mit knappen Worten das Grauen beschrieben

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Wenn man den Titel liest „Kriegstagebücher von 1943 bis 1945“ und der Autor den Namen Heinrich Böll trägt, dann mag man als Leser ein Werk erwarten, in dem der Literaturnobelpreisträger, der am heutigen 21. Dezember 100 Jahre geworden wäre, den Widersinn und das Grauen des Krieges wortmächtig zur Sprache bringt. Doch wer den Band, den jetzt sein Sohn René Böll herausgegeben hat, zur Hand nimmt, wird schon nach wenigen Seiten feststellen, dass es sich fast ausnahmslos um kurze Notizen und Bemerkungen handelt, mitunter ist es nur eine Zeile oder ein einziges Wort, das Heinrich Böll an einem Tag niedergeschrieben hat. Gleichwohl erlauben die Eintragungen einen Einblick in das Seelenleben eines Soldaten, der bei Kriegsbeginn 21 Jahre alt war. Die drei von insgesamt sechs Kriegstagebüchern, die übrigen sind verschollen, hat der gebürtige Kölner dann ab den Zeiten geführt, als er erstmals in den Osten verlegt wurde. Bis dahin hatte ihn der Kriegsdienst über Osnabrück in die Niederlande und nach Frankreich geführt. In der Schreibstube, in Werkstätten und auf dem Kasernengelände war aber die Front weit entfernt. Das sollte sich im Herbst 1943 ändern, als er zunächst auf der Krim, später in Transnistrien und danach in Rumänien eingesetzt wird.

Schon gleich zu Beginn bringt er in dem Tagebuch seine ihn bedrückenden Gefühle zum Ausdruck, schreibt beispielsweise von „der absoluten Verlorenheit der Infanterie“. Aus anderen, ganz knappen Eintragungen wird das Elend deutlich, das ihn umgibt: „Blut Dreck, Schweiß und Elend: Das Gejammer der Verwundeten und Sterbenden, der Platz beim Essenholen.“ Wie schwierig und lebensgefährlich es war, überhaupt an Essen zu kommen, weil man auf dem Weg dorthin von einer Granate getroffen werden konnte, lässt sich aus Bölls Bemerkungen ganz deutlich herauslesen. Häufig spricht er von seinem eigenen Leiden, von Nächten, in denen er keinen Schlaf findet, beklagt sich über die Läuse, die ihn immer wieder heimsuchen. Manches erscheint auch wie ein Ausruf, wenn es heißt „diese entsetzlichen Stukas.“ Den Begriff Arzt versieht Böll an einer Stelle mit Ausrufe- und Fragezeichen, denn der Schriftsteller wurde mehrfach während des Krieges schwer verletzt.

Ganz häufig taucht auch der Eintrag „Gott“ auf, den er um Hilfe bittet oder dessen Existenz er hervorhebt. Bekanntlich hatte Heinrich Böll ein sehr kritisches Verhältnis zur katholischen Kirche, verstand sich aber durchaus als ein gläubiger Mensch. Noch viel öfter aber schreibt er – in großen Lettern – den Namen seiner Frau Anne-Marie, die er auf einem Heimaturlaub 1942 heiratete. Sie ist, wie es Böll zum Ausdruck bringt, „sein Leben“ und dem kleinen Heft vertraut er auch an, wie sehnsüchtig er sie vermisst. Die Gedanken an sie geben ihm ganz offensichtlich Kraft, die Grausamkeit des Krieges zu ertragen, die Böll aber nicht nur auf der Krim erlebt. Auch später, als er nach Rumänien kommt, hält sein Entsetzen über das brutale Geschehen an. Dazu bedarf es weniger Begriffe, denn Worte wie „Jammer, Blut, Feuer, Not, Dreck und Elend“ sprechen für sich. Eine Gegenwelt scheinen ihm seine Träume zu bieten, die er ganz offenherzig schildert, vom Auswandern phantasiert oder gemeinsam mit seinem Bruder unterwegs ist und badende Mädchen trifft.
Die Qualen der Realität holen Böll schnell wieder ein, durch seine Verletzungen ist er gesundheitlich schwer angeschlagen. Er kann zwar zwischenzeitlich wieder nach Köln und zu seiner Frau zurückkehren, doch eben nur für wenige Wochen. Als er zu Ende des Krieges in Gefangenschaft gerät, muss er einmal mehr großes Leid ertragen: „Hitze, Elend, Kälte, Hunger“ notiert er in sein Tagebuch, das der einstige Germanistikstudent so lange führt, bis er am 15. September 1945 im Bonner Hofgarten aus der Gefangenschaft entlassen wird.

Sicherlich stellt sich die Frage, ob diese Tagebücher, die Heinrich Böll seiner Familie überlassen hat, neue Erkenntnisse über das Leben und das Werk des bedeutenden Schriftstellers erbringen. Eine eindeutige Antwort zu geben erscheint durchaus schwierig, aber eines lässt sich gewiss festhalten: Schon in jungen Jahren hat Heinrich Böll seine Abscheu gegenüber dem Krieg zum Ausdruck gebracht und durch seinen Einsatz an der Front, wusste er, wovon er sprach.

Heinrich Böll: „Man möchte manchmal weinen wie ein Kind. Die Kriegstagebücher 1943 bis 1945“, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2017, 352 Seiten, 22,00 Euro

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Stuttgart21 und das Grab

„Stuttgart 21 wird immer teurer/Günstig ins Grab“: Mit dieser Kombination hat sich gerade der Infografik-Ticker statista zu Wort gemeldet. Hinter den beiden Schlagzeilen verbergen sich, wie unschwer zu erkennen,die Nachrichten über die Kostenexplosion beim umstrittenen Verkehrsprojekt im Schwabenland und die Ausgaben für Bestattungen. Gibt es aber vielleicht auch einen inneren Zusammenhang, also gibt es eine Kombination von Stuttgart21 und Grab? Die Zeitgleichheit von Nachrichten beflügeln schon manchmal die Fantasien – so auch in diesem Fall. Wobei man allerdings anmerken muss, dass dann ein Begriff stört: günstig. Denn genau das zeigt ja die jüngste Entwicklung: Billig ist das Prestigeobjekt in der Landeshauptstadt nun wahrlich nicht und auch wenn man es jetzt beerdigen würde, würde der Staat, sprich der Steuerzahler auf einem hohen Schuldenberg sitzen bleiben. Schenkt man den Meldungen Glauben, dann bestehen derzeit in der Tat Überlegungen, Stuttgart21 zu beerdigen.

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Die Eliten und der Reichtum

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Michael Hartmann im Gespräch mit Richard Geisen.   (Foto: Theo Körner)
Eine weltweit agierende Elite, die untereinander vernetzt den Globus regiert, existiert trotz aller gegenteiligen Aussagen nicht – so der Soziologe Michael Hartmann gleich zu Beginn des Querdenkerabends mit Kommende-Dozent Richard Geisen hervor. Der Umkehrschluss, dass es grundsätzlich keine Eliten an den Schaltstellen der (Wirtschafts-)Macht gibt, ist nach Darstellung des Wissenschaftlers von der Darmstädter Uni ebenso falsch. Der bekannte Elite-Forscher sprach in der Kommende vor weit über 100 Gästen zum Thema „Soziale Ungleichheit und die –Rolle der Eliten“.

Aufgrund seiner jahrelangen Forschungen kann Hartmann nachweisen, dass Eliten meist an ihre Heimatländer gebunden bleiben. Die Spitzenmanager großer Konzerne und die Eigentümer riesiger Vermögen sind zwar häufig international unterwegs, erläuterte Hartmann, aber letztlich fühlten sie sich dem Land zugehörig, in dem sie auch den überwiegenden Teil ihrer Zeit leben, in dem die Keimzelle und die Zentrale ihres Unternehmens beheimatet ist.

Die Eliten der jeweiligen Länder verstehen es nach Aussage von Hartmann meist sehr gut, sich nach außen abzuschotten. Aufsteiger haben demnach nur in Ausnahmefällen eine Chance. Die Techniken der Abgrenzung seien durchaus subtil, eine excellente Bildung und Ausbildung genügten keineswegs, um in die in sich geschlossenen Kreise der oberen Zehntausend einzudringen. Schon am Habitus (Sprache, Auftreten, Umgangsformen) sei die gesellschaftliche Herkunft leicht erkennbar; sie werde zum unausgesprochenen Kriterium für Ausschluss und Aufnahme. Selbstverständlich seien bei den herausgehobenen Positionen tadellose Berufs- bzw. Studienabschlüsse vorausgesetzt; doch die könnten zahlreiche potentielle Aufsteiger ebenfalls vorweisen. Entscheidend sei dann doch der „passende“ familiäre Hintergrund in der Reichtums- und Machtelite. Als Beispiele für die seltenen Ausnahmen nannte der Referent Hartman Martin Winterkorn, Ex-VW-Manager, und Heinrich Hiesinger, Chef von ThyssenKrupp. Der erste stammt aus einer Arbeiter-, der zweite aus einer Bauernfamilie. Solche Führungskräfte bekommen meist in Umbruch- oder Krisensituationen eine Chance, erklärte der Soziologe.

Reichtum, so Hartmann, ist in Deutschland meist über Generationen an bestimmte Familien gebunden, wie es unter anderem die Beispiele Quandt oder Piech/Porsche belegen. Sie sind durch ihre Unternehmen zu vielfachen Milliardären geworden. Insgesamt gebe es zurzeit allein in Deutschland 187 Milliardäre. Die Zahl habe sich seit 2001 verdoppelt. Ebenfalls verdoppelt habe sich in den vergangenen Jahren die Anzahl der Obdachlosen (März 2017: 400.000). Von den Superreichen zu unterscheiden seien die vielen wohlhabenden und besonders gut verdienenden Menschen im Lande: Als Richter an den Obergerichten oder Leiter von Forschungsgesellschaften (z.B.) könnten sie ein beachtliches Einkommen erzielen. Der Verdienst von Politikern, unterstrich Hartmann, falle meist erheblich niedriger aus, als von einem Großteil der Allgemeinheit geschätzt. Wenn eine Bundeskanzlerin 250.000 Euro jährlich bekomme, sei dies das Niveau, das auch der Chef einer mittelgroßen Sparkasse erreiche.

Der Trend zu den exorbitant hohen Managervergütungen in der freien Wirtschaft begann nach Aussage Hartmanns in Deutschland erst mit der Fusion von Daimler/Chrysler. Der damalige Daimler-Boss Schrempp habe seinerzeit gefordert, dass auch er Anrecht auf ein ähnliches Spitzensalär habe, wie es für den Vorstandsvorsitzenden bei Chrysler längst üblich war. Wenn heute nun immer wieder argumentiert werde, deutsche Firmen müssten ihren Managern schon deshalb Spitzengehälter bieten, weil sie sonst in andere Länder abwandern würden, sei das allerdings ein sehr fragwürdiges Argument. Dagegen spricht die obengenannte persönliche Bindung an das eigene Herkunftsland und die Schwierigkeit, im Ausland auf Anhieb einen entsprechenden Job zu finden. Hartmann dazu: „Von den 4.000 börsennotierten Unternehmen in den USA werden gerade mal sechs von Deutschen geführt.“

Die Abschottungs- und Selbstbedienungsmentalität der Eliten hat laut Hartmann dramatische Auswirkungen auf die Entwicklung der sozialen Ungleichheit in Deutschland: Das Vermögen befinde sich heute mit einem Anteil von 60 Prozent in der Hand von zehn Prozent der Bevölkerung. Während ein Haushalt in Deutschland im Durchschnitt laut Bundesbank rund 200.000 Euro zu Verfügung hat, liegt der Median bei rund 60.000 Euro. Die erstaunliche Höhe der ersten Zahl kommt durch den durchschlagenden Einbezug der Milliardenvermögen in eine einfache Durchschnittsberechnung zustande. Die zweite Zahl macht eher deutlich, wie hoch ein mittleres Vermögen in Deutschland heute sein kann.
Um die hinter beiden Zahlen verborgene Ungleichheit zu verringern wären steuerliche Maßnahmen zur Umverteilung dringend erforderlich. Hartmann nennt an erster Stelle die Erbschaftssteuer; aufgrund der unterbliebenen Reform bleibe die geschlossene Reichtumselite unangetastet und die Vermögen der wenigen hätten weiterhin unvorstellbare Zuwächse zu verzeichnen. Eine Veränderung sei jedenfalls nur durch direkte Steuern möglich, alle indirekten Steuern von der sogenannten Mehrwertsteuer bis zur Tabaksteuer gingen dagegen weit überproportional zu Lasten der unteren Einkommen. Erschreckend auch die absoluten Zahlen: Die Tabaksteuer, die – gemessenen am Einkommen – die „kleinen Leute“ überproportional belastet, erbringt dem Fiskus immer noch mehr als dreimal so hohe Einnahmen wie die gesamte Erbschaftssteuer.

Am Ende des Abends blieb die Frage, wer denn Hauptakteur der dringend erforderlichen politischen Veränderung zur Umverteilung sein könne. Wer kann den entscheidenden Anstoß für eine Wende geben? Hartmann sieht hier unter anderem die Gewerkschaften gefordert. Es gebe durchaus ein entsprechendes Potenzial. Der Veränderungswille müsse politisch artikuliert und kanalisiert werden; als hoffnungsvolles Vorbild nannte Hartman Großbritannien: Um Jeremy Corbyn wachse zurzeit eine mehrheitsfähige Widerstandsbewegung gegen den politischen und wirtschaftlichen Egoismus der machthabenden Eliten.

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Klassik für Kinder: Ein Buch, das die junge Generation dazu bringen sollte, mehr zu lesen

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Wenn Kinder auf Klassik treffen, begegnen sich in aller Regel fremde Welten. Denn, was sagen der jungen Generation schon Namen wie Goethe, Schiller, Hölderlin, Kleist oder Herder. Einige ihrer Werke stehen zwar in den Schulen auf dem Stundenplan – meist auch, wenn aus den Kindern Jugendliche geworden sind – aber das heißt ja noch lange nicht, dass beim jungen Leser auch Interesse geweckt wird. Der Kamener Autor Heinrich Peuckmann hat jetzt einen schmalen und zugleich sehr schönen Band herausgebracht, der einen durchaus auffordernden Titel trägt: „Entdecke die Klassische Literatur“. Dass der Anfangsbuchstabe des Adjektivs als Versalie geschrieben ist, verdeutlicht, welchen Rang die Werke aus der Zeit des 18. und beginnenden 19. Jahrhundert haben.

Heinrich Peuckmann beschreibt nun einerseits das Leben der nahmhaften Schriftsteller vor und bringt andererseits die Inhalte ihrer wichtigsten Werke auf den Punkt. Die Stärke seines Buches liegt darin, dass er die meist komplexen Zusammenhänge auf ihre Kernaussagen konzentriert und dazu noch leicht verständlich schreibt. Da zeigt er bei einem  – für manche Oberstufenschüler doch recht sperrigen – Werk wie Iphigenie auf Tauris die eigentliche Essenz dieses Stücks auf, und der Leser ist gleich mittendrin in der Frage, was eigentlich Humanismus bedeutet. Ebenso anschaulich gerät die Beschreibung von Goethes Faust, „vielleicht das wichtigste Werk der deutschen Literatur überhaupt“, wie es der Buchautor formuliert. Auch hier führt er den Leser durch ein komplexes Werk, um am Ende die eigentliche Intention und die Urfrage der Menschen, was nämlich wohl die Welt zusammenzuhalten vermag, ganz klar und deutlich herauszustellen.

Aber keine Sorge: Peuckmann nimmt nun nicht ein klassisches Werk nach dem anderen aus dem Regal, um sie dann alle nach und nach vorzustellen. Er skizziert vielmhr auch die Biographien aller namhaften Dichter und Denker. Dass der Leser über Schiller und Goethe dabei deutlich mehr erfährt als über Hölderin oder Kleist, ist selbstredend. Goethe hat nun mal einer Epoche seinen Stempel aufgedrückt und führte – nach heutigen Maßstäben – ein umtriebiges Leben. Daher ist ses chon fast eine Pflicht, auch von seinem Privatleben, seinen Liebschaften und seinen experimentellen Ausflügen in die Naturwissenschaften zu erzählen. Goethes Italienreise, die an das geflügelte Wort erinnert „Ich bin dann mal weg…“ räumt Peuckmann ebenso einen hohen Stellenwert ein, zumal es dem Dichter offensichtlich gelungen ist, die in damals plagende innere Schreibblockade aufzubrechen. Denn in der Zeit vor seiner Abreise lagen viele Werke als Unvollendete in seinem Haus.

Zudem schafft es Peuckmann, die Dichter nicht nur in ihrer Rolle als Schriftsteller vorzustellen, sondern sie auch in der gebotenen Kürze mit den verschiedenen Facetten ihrer Persönlichkeit zu zeichnen. Goethes Liebschaften, Schillers Krankheit, Hölderlins Besonderheiten, um nur drei Beispiele zu nennen, tragen wesentlich dazu bei, sich ein facettenreiches Bild von den Dichtern machen zu können.

Wenn Peuckmann am Ende daran erinnert, dass nicht weit entfernt von Weimar, wo Goethe, Schiller und all die anderen gelebt haben, das KZ Buchenwald liegt, dann ist diese Beschreibung eine wichtige Fortführung in dem Buch. An dem Ort, vor den Toren der Stadt, herrschte während der Nazi-Herrschaft eine kaum vorstellbare Barbarei – und das in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Ort, der einst als Sammelpunkt für Schriftsteller galt, die das Ideal des Humanismus mit ihren Werken zum Ausdruck brachten.

Heinrich Peuckmann: Entdecke die Klassische Literatur Autumnus-Verlag 66 Seiten, 10,90 Euro

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Die Sommerferien sind gerade zu Ende, da liegt schon der Kalender für 2018 im Postkasten

Eigentlich hätte dieser Text schon vor ein paar Tagen geschrieben werden müssen, denn so lange liegt das Objekt der Betrachtung schon im Haus, gemeint ist der Kalender für das kommenden Jahr, den jetzt ein Wohlfahrtsverband verschickt hat. Zunächst einmal heißt es natürlich, sich zu bedanken, es wird einem ja eigentlich sonst selten bis nie etwas geschenkt. Wobei – eine kleine Spende wäre vielleicht doch gewünscht, mitunter fühlt man sich auch verpflichtet, gerade einer Organisation, die sich um die Not in der Welt kümmert, den einen oder den anderen Euro zukommen zu lassen. Wenn man aber genauer nachdenkt, was als Präsent zugestellt wurde, ruft das doch Verwunderung hervor. Beim Blick auf den aktuellen Kalender stellt man ja  nun mal fest, dass gerade erst der September begonnen hat und in NRW die Sommerferien zu Ende gegangen sind, Möglicherweise hat sich der Verband an den Spruch erinnert: „Der frühe Vogel fängt den Wurm“. Noch dürften die meisten Adressaten keinen Kalender für 2018 in der Schublade liegen haben und daher auch gewillt sein, einige Euro für wohltätige Zwecke abzuzwacken. Doch andererseits hat ein solches Geschenk auch ein Geschmäckle. Jetzt schon an Silvester denken und das vorgelagerte Fest der Feste? Ist das nicht alles viel zu früh und gerät somit ein Jahresverlauf zu einem Einheitsbrei? Der Verband braucht sich aber nicht zu sorgen, dass er allein auf weiter Flur ist. Den Lebkuchen und auch den Schmuck für die Tanne gibt es schon längst käuflich zu erwerben.

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Spannende Abenteuer und eine verzwickte Geschichte aus dem Venedig des frühen Mittelalters

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Ruhm und Ansehen verschafft man sich durch heldenhafte Leistungen – nicht nur, aber auch. Das war früher keineswegs anderes als heute, wenngleich man inzwischen mit dem Begriff Held vielleicht ein wenig vorsichtiger umgeht. Damals, in Zeiten von Spätantike und frühem Mittelalter, wollten viele Herrschende mit einer Glanztat überzeugen und vor allem beim Volk Eindruck schinden. Oftmals waren es Schlachten und Kriege, die des Ruhmes und der Ehre wegen geführt wurden. Doch es gab auch andere Geschichten, wie die, die Dirk Husemann in seinem neuen Buch „Eispiraten“ erzählt. Zugegeben: Ganz unblutig geht es in dem Roman nicht zu, aber das wird man bei einer Episode aus jener Epoche auch kaum erwarten können.

Die historische Vorlage liefert eine Begebenheit aus dem Venedig des 8. Jahrhunderts. Der Doge, also das damalige Stadtoberhaupt,  will die Bürger damit beeindrucken, dass er die Gebeine des heiligen Markus, einem der vier Evangelisten, herbeischafft und ihnen einen würdigen Aufenthaltsort zukommen lässt. Soweit der Plan, der unter anderem einen nicht zu vernachlässigenden Haken hat. Die sterblichen Überreste befinden sich irgendwo im ägyptischen Alexandria, das zudem noch von den Sarazenen besetzt ist. Bleibt also nur die Möglichkeit einer waghalsigen Schifffahrt und die bange Frage, wie wohl die Herrschenden in Alexandria reagieren.

Dem Autor gelingt es, den Leser vor allem dadurch zu fesseln, dass Seefahrer Alrik und dessen Mannen, die der Doge für dieses Himmelfahrtskommando gewinnen kann, immer wieder gefährliche Abenteuer erleben. Fesselnd und packend kommt der Roman aber auch daher, weil mehrere Handlungsstränge, von denen jeder für sich schon ungemein spannend ist,  miteinander verwoben werden. Unter anderem heckt die Tochter des mächtigen Venezianers einen sehr eigensinnigen und für junge Frauen seinerzeit eigentlich undenkbaren Plan aus, den sie auch in die Tat umzusetzen weiß, was wiederum beim Vater eine Mischung aus Sorge und Verärgerung hervorruft.

Wenn man gehofft hat, mit dem Erreichen von Alexandria sei das Ziel erreicht und das Abholen der Gebeine nur noch reine Formsache, dann zeigt der Roman, dass die wahren Probleme erst jetzt anfangen. Zahlreiche weitere Verwicklungen – unter anderem geht es dabei auch um die Existenz der vermeintlichen sterblichen Überreste – sorgen für unvorhergesehene Momente, mit denen Dirk Husemann den weiteren Gang der Dinge zu bereichern weiß. Beeindruckend ist immer wieder sein sprachliches Geschick verbunden mit einer der damaligen Zeit entsprechenden Wortwahl. Um Missverständnissen vorzubeugen: Der Lesefreude gereicht das keineswegs zum Nachteil, vielmehr gelingt es mit diesen Begrifflichkeiten, sich in die damalige Lebenswelt viel besser hineinzuversetzen. Zu dieser gehörte auch der Glaubenskampf zwischen dem noch jungen Islam und dem Christentum, das im römischen Reich einst zur Staatsreligion ausgerufen worden war. Entsprechende Auseinandersetzungen gehörten in einer Stadt wie Alexandria zum Alltag, wie es der Autor keineswegs aufbauschend, sondern vielmehr sehr realistisch darstellt.

Wie auch schon in beiden vorangegangenen Romanen „Ein Elefant für Karl den Großen“ und „Seidendiebe“ gelingt es Dirk Husemann eindrucksvoll, den Lesern ein sehr plastisches Bild von einer längst vergangenen, vielleicht auch vergessenen Welt zu liefern. Dazu tragen die Liebe zum historischen Detail ebenso bei wie eine prägnante Beschreibung von Charakteren.

Warum aber, fragt man sich beim Blick auf das Buchcover, heißt das Buch eigentlich „Eispiraten“, wenn doch Gebeine eine Schlüsselrolle spielen? Dirk Husemann, studierter Archäologe, hat im übertragenen Sinn ein Naturereignis ausfindig gemacht, mit dem man einst in der Tat Eis gewonnen und transportiert hat. Doch dieses Phänomen soll nicht das einzige verblüffende Element bleiben. Unvorhergesehene Wendungen im Lauf der Ereignisse bringen mehrfach überraschende Momente mit sich. Das gilt bis zum Schlussakkord, mit dem es dem Dogen gelingt, sich dann doch noch ins rechte Licht zu rücken.
Dirk Husemann: Die Eispiraten, Bastei Lübbe Taschenbuch, 480 Seiten.ISBN 3-404-17541-7, 11 Euro

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Ein Megamuseum für afrikanische Kunst der Gegenwar

https://www.facebook.com/ZeitzMOCAA/

Wenn die westliche Welt von afrikanischer Kunst spricht, dann beschränkt sich der Blick meist auf Holzschnitzereien, Masken oder Statuen. Im September wird nun in Kapstadt ein Museum eröffnet, das herausstellen will, wie vielfältig die Kunst des Kontinents wirklich ist. Aber nicht nur das soll mit dem Museum of Contemporary Art Africa, kurz Mocaa, zum Ausdruck kommen. Ebenso soll spürbar sein, welche Faszination von dieser Kunst des Kontinents ausgeht und schließlich soll das Museum vor allem eines belegen: Afrika hat sich kulturell emanzipiert und vom langen Schatten seiner ehemaligen Kolonialmächte befreit. Angesichts der Tragweite eines solchen Ansinnens wird schon jetzt davon gesprochen, dass Mocaa sicherlich noch eine solchen Stellenwert erlangen wird wie ihn das Museum of Modern Art in New York oder das Guggenheim-Museum in Bilbao heute bereits haben.

Der ausführliche Bericht findet sich in der aktuellen Ausgabe des Heftes „Africa positive“, das unter anderem noch folgende weitere Themen beinhaltet:
– Rückblick auf den G20-Gipfel aus afrikanischer Perspektive
– Potenziale des schwarzen Kontinents für die Zukunft
– ein Beitrag von Gerd Müller, Bundesminister für wirtschafliche Zusammenarbeit, zu seiner Idee eines Marshallplanes für Afrika
– eine Geschichte über eine sechsköpfige Schulgruppe aus Ghana, die nicht nach Deutschland kommen durfte
– ein Portrait über Kati Holtmann, die nicht nur die Werbetrommel für den Verein Africa Positive rührt, sondern auch zugleich dessen ältestes Mitglied ist.
– die afrikanische Revolution in Burkina Faso 2014 im Licht einer Fotoausstellung
– Rückblick auf das 8. Afro Ruhr Festival.

Weitere Informationen zum Heft und zum Verein unter
http://www.africa-positive.de

 

 

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