Bergberufsschulen: Kein Kind zurücklassen wurde hier praktiziert – ohne groß darüber zu sprechen

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NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer war zur Feierstunde in Recklinghausen erschienen und unterhält sich hier mit Vertretern des TÜV Nord College, das heute Träger des Schulsystems ist.                                                                                     (Foto: TÜV Nord College)

Eine Ära ist heute zu Ende gegangen, die zwar zum Ruhrgebiet gehört, derer sich aber viele Menschen kaum (noch) bewusst sein dürften. Die Rede ist von der Schließung der beiden letzten noch verbliebenen Standorte des Bergbau-Schulsystems in Bergkamen und Recklinghausen. „Was für ein System?“, wird manch einer fragen. Es war in der Tat so, dass der Bergbau seinen Nachwuchs selbst ausgebildet hat und das schon seit 200 Jahren. Zurückgekurbelt landet man im Jahr 1816, als die erste Schulklasse gegründet wurde. Bergwerksdirektoren hatten erkannt: Lesen, Schreiben, Rechnen muss sein – auch für die Arbeit unter Tage ist elementares Wissen unerlässlich . Und was in Bochum begann, ging weiter. Es gab Zeiten, da besuchten 15000 Jugendliche (!) in einem Schuljahr die verschiedenen Standorte von Kamp-Lintfort im Westen bis Ahlen im Osten. Doch je mehr die Zechen schrumpften, wurde es auch mit den Schulen weniger. Lange Zeit bestanden dann zumindest drei recht große Einrichtungen in Duisburg, Recklinghausen und Bergkamen. Als schließlich klar war, dass die Schachtanlagen in NRW keine Zukunft haben, öffneten sich die Schulen vor allem für jene Jugendliche, die Lernschwierigkeiten haben oder sich aus welchen Gründen auch immer, mit (Aus-)Bildung schwer tun. Wobei schon der Bergbau selbst viele junge Menschen aufgefangen hat, die womöglich sonst nirgendwo eine Chance bekommen hätten. Solche Jugendliche gibt es auch heute noch, und für sie wird es nicht einfacher in der digitalisierten Welt. Um die zu verstehen und in ihr bestehen zu können benötigt man Qualifikationen, die manch eine junge Frau und mancher junger Mann nur schwerlich erreichen wird, wenn er keine Hilfe findet. Kein Kind zurücklassen: Das Schulsystem des Bergbaus hat da nicht viel drüber geredet, sondern einfach gemacht. Sicherlich gab es auch Fälle, wo es nicht gelang, was aber dann eher vom Verhalten dieser Schüler herrührte. Mit viel Geduld und Stringenz wurde hier unterrichtet. Zum Schluss haben noch 600 Jugendliche einen allgemeinbildenden Abschluss erreicht. Doch nun ist alles vorbei, wenngleich das offizielle Ende erst am 31. Juli sein wird.  Die Schulen sind Geschichte, die Jugendlichen, die Unterstützung brauchen, geblieben.
Wer Lust hat, sich noch weiter zu informieren, findet hier Lesestoff:

https://www.tuev-nord-group.com/de/newsroom/aktuelle-pressemeldungen/details/article/feierlicher-festakt-zur-schliessung-der-letzten-bergmaennischen-berufskollegs/

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