Blasser Auftritt der WDR-Nachrichten

Wie schön es sich doch anhörte, als Klaus Bochenek, Leiter der Programmgruppe Nachrichten, Veränderungen in der Nachrichtenwelt des WDR ankündigte ( http://www.radioforen.de/index.php?threads/neue-wdr-nachrichten-ab-juni-2016.40710/). Wörtlich wird er wie folgt zitiert: „Aktualität, die bewegt; mehr Formenvielfalt und Nachrichten, über die man spricht“: So sollen die News sein, die der Westdeutsche Rundfunk dem Hörer tagtäglich präsentiert. Über die Nachrichten möchte ich an dieser Stelle in der Tat einmal sprechen, aber vielleicht etwas anders, als es die Planer gedacht haben.

Am gestrigen Freitag erreichte die Dramaturgie einen gewissen Höhepunkt. Von morgens bis abends eröffneten alle Nachrichtenausgaben, die man hören konnte und ich bin da ein treuer Hörer, mit ein- und derselben Message: Mit Hillary Clinton bewirbt sich erstmals eine Frau um das US-Präsidentschaftsamt. Nun mag man ja in der Bewertung von Nachrichten durchaus unterschiedlicher Auffassung sein können, so auch hier, denn ein wirklicher Überraschungscoup war das nun wirklich nicht. Aber sei’s drum. Des Pudels Kern steckt anderswo: Hat diese Information so viel Tragkraft, so viel Bedeutung, dass sie quasi den ganzen Tag über der Aufmacher sein kann?

Sicherlich, mal war Hillary Clinton im O-Ton zu hören, mal war es nur eine reine Meldung. Da stellt man sich dann doch die Frage, ob im Laufe von gut zwölf Stunden nicht doch noch relevantere Themen aufkommen, die für eine Abwechslung sorgen könnten. An anderen Tagen sieht es fast ähnlich aus, sehr wenig Veränderung in den Nachrichten, vor allem auch im Bereich des Regionalen. An anderer Stelle heißt es von Klaus Bochenek: „Damit bringen wir unsere journalistischen PS besser auf die Straße und bieten einen Mehrwert gegen über den Print- und Online-Medien“. Lässt der Programmgruppenleiter aus gutem Grund die Anzahl der PS unter den Tisch fallen? Nein, im Ernst: Worin der Mehrwert bestehen soll, bleibt angesichts der Ausgestaltung der neuen Nachrichtenformate angesichts der bisherigen Eindrücke doch eher schemenhaft.

Der WDR muss sparen, keine Frage, doch wenn die Rundfunkanstalt im Wettbewerb bestehen will, dann wären Finanzkürzungen bei den Nachrichten ganz gewiss der falsche Weg. Wer das Internet als Herausforderung versteht, der sollte auch konsequent zu Ende denken, sich die Auftritte  anderer Medien und vor allem auch Facebook und Co. im Blick haben. Mit gestutzten Flügeln lässt sich kein Wettflug gewinnen.
Ich habe selbst vor mehr als zwei Jahren im Auftrag des Grimme-Instituts an einem WDR-Monitoring mitgewirkt. Zu den Ergebnissen gehörte, dass sich der WDR bei den Nachrichten nicht abhängen lassen sollte.

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