Adressenhandel und Wohlfahrtsverbände

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut, hat Goethe einst getextet und damit auch das Gewissen vieler Menschen geschärft. In diesen Tagen und Wochen hat es aber den Eindruck, als würde diese Gewissenhaftigkeit stark strapaziert mit dem Hang zum Ausnutzerei. Denn der Briefkasten quillt förmlich über mit Spendenaufrufen der unterschiedlichsten Organisationen. Christliche und kirchliche, gesellschaftskritische und sozial engagierte Verbände sind ebenso darunter wie die große Breite an Hilfswerken, die sich der Wohlfahrt verschrieben haben – hierzulande oder in anderen Teilen dieser Welt. Früher wurden solche Schreiben gern auch Bettelbriefe genannt, wobei ich den Begriff eher problematisch finde, denn zunächst einmal ist es ein gutes Recht, um Unterstützung zu bitten, wenn man sich für eine gute Sache einsetzt. Dass es natürlich eine Masse an Organisationen ist, die sich an die Bevölkerung wendet, lässt ebenso wenig erstaunen, schließlich bestehen in Deutschland Hunderte von entsprechenden Vereinen oder Verbänden. Was allerdings wirklich aufschrecken lässt, ist mit der Frage verbunden, wie die Absender an die Adressen gelangen. Häufig kann man vernehmen, dass Bürger noch nie etwas mit der Organisation zu tun hatten und dennoch ein Brief im Postkasten liegt. Nun gehört es zu den offenen Geheimnissen, dass – auch schon vor dem Internet – mit Daten und Adressen ein schwunghafter Handel betrieben wird. Dieser Tatbestand als solcher hat schon ein ziemliches Geschmäckle, aber im Fall von Hilfsorganisationen bekommt es einen üblen Beigeschmack. Wenn sie von Spendengeldern Adressen kaufen, ist das sehr bedenklich. Gewiss muss jeder Verband sich um seine Wirtschaftlichkeit und seine Finanzen kümmern, doch hier wäre das eingangs zitierte Goethezitat eine wichtige Richtschnur.

Übrigens: Das Deutsche Sozialinstitut für soziale Fragen mit Sitz in Berlin durchleuchtet Hilfsorganisationen und vergibt ein Spendensiegel, wenn die Prüfung die Seriösität beweist.

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