Verdi-Vorstand Weskop-Deffa fordert religiöse Toleranz am Arbeitsplatz

Die Säkularisierung der Gesellschaft sei ein entscheidender Faktor, den es zu bedenken gelte, wenn über das Thema „Religionsfreiheit am Arbeitsplatz – Neue Herausforderungen für Gewerkschaften und Arbeitgeber“ gesprochen werde, erklärte Eva Weskop-Deffa, Mitglied im Verdi-Vorstand und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Sie war im Rahmen der Reihe „Profilierte Querdenker im Interview“ Gast der Kommende, Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn. Gehörten, wie die Ministerialdirektorin i.R. im Gespräch mit DDr. Richard Geisen ausführte, 1970 noch 90 Prozent der Bevölkerung in Deutschland einer christlichen Religion an, sind es heutzutage nur noch 60 Prozent. Eine solche Veränderung spiegelt sich natürlich auch am Arbeitsplatz wider, so die Referentin. Dort kommen heutzutage nicht nur Menschen mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen zusammen, sondern viele sind auch ohne Religionszugehörigkeit. Während vor Jahrzehnten in einer Belegschaft die Beschäftigten entweder katholisch oder evangelisch gewesen seien, so Weskop-Deffa, biete sich heute ein religiös und konfessionell pluralistisches Bild. Schaue man auf das Betriebsverfassungsgesetz, so stehe hier ein betrieblicher Universalismus im Fokus. Für alle solle das Gleiche gelten, Diskriminierung dürfe keinen Platz haben.

Die frühere Abteilungsleiterin für Gleichstellung und Chancengleichheit im Bundesfamilienministerium meinte allerdings, dass Verdi oftmals dann mit der Institution Kirche als Arbeitgeber in Konflikte gerate, wenn es um Sonderrechte gehe. Als Beispiel nannte sie die Eingrenzungen des Streikrechts oder auch die Schwierigkeiten bei der katholischen Kirche in den Fällen der Beschäftigung von Wiederverheirateten.

Das Mitglied im Bundesvorstand  der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) plädierte für Toleranz gegenüber religiösen Riten und Ausdrucksformen. Sie hinterfragte, ob sich beispielsweise christliche Krankenhäuser einen Gefallen tun, wenn sie bei dem weiblichen Pflegekräften, die dem Islam angehören, das Tragen eines Kopftuchs untersagen. Werde über den Islam und die Muslime gesprochen, sollte man zwei wichtige Relationen beachten. Von den türkischen Mitbürgern sind nicht alle, sondern 80 Prozent Muslime. 20 Prozent gehören anderen Glaubensgemeinschaften an. Andererseits stammen längst nicht alle in Deutschland lebenden Muslime aus der Türkei. Türkische Mitbürger haben einen Anteil von 63 Prozent an den Muslimen in der Bundesrepublik.

Gewerkschaften haben, wie Eva Weskop-Deffan erläuterte, Probleme, Menschen mit Migrationshintergrund zu gewinnen. Besonders schwierig sei es, muslimische Frauen für Mitgliedschaft und Engagement in einer Gewerkschaft zu motivieren bzw. sie überhaupt zu erreichen.

In der eigenen gewerkschaftlichen Tätigkeit erlebe sie einen wachsenden religiösen Analphabetismus. Es mangele an Wissen über Zeichen, Riten und Symbole. Möglicherweise müsse man darüber nachdenken, ob etwas falsch gelaufen sei, indem man Religion unsichtbar gemacht habe.

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