Zauberhaftes und wechselvolles Irland – Neue Ausgabe von G/Geschichte

In Heinrich Bölls „Irisches Tagesbuch“ ist der Zauber zu spüren, der von der grünen Insel ausgeht. Aber: Der Literaturnobelpreisträger lässt den Leser auch die große Gefahr erkennen, mit der das Land tagtäglich lebt. Da immer mehr Menschen ihre Heimat verlassen, droht der Verlust der Zukunft. Nun war Böll zwar in den 50er Jahren zum ersten Mal in Irland, was die Frage nach sich zieht, ob die Aussagen noch aktuell sind. Doch dass bis auf den heutigen Tag mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat und sich auf gewisse Weise auch abzuschotten scheint, das wird in dem Artikel über den Band des Literaten durchaus deutlich. Die neue Ausgabe von G/Geschichte wendet sich mit dem Schwerpunktthema der wechselvollen Vergangenheit Irlands zu, analysiert zentrale historische Ereignisse und sorgt dafür, die Konflikte, die es auch in der jetzigen Zeit noch gibt, zu verstehen. Dass die Insel schon 8000 Jahre vor Christus besiedelt war, wahrscheinlich auch noch früher, belegen archäologische Funde. Die Forschungen sind aber längst nicht abgeschlossen. Dass der heilige Patrick, den nicht nur die Iren bis heute verehren, ein volksnaher Missionar gewesen ist, dass einst von der Insel aus Mönche sich auf das Festland begaben, um Menschen vom Christentum zu überzeugen, sind wesentliche Momente des Mittelalters. Anders als die irische Legende erzählt das Heft von der Geburtsstunde der Nation im jahr 1014. Da bleibt nichts übrig von einem Kampf der Iren gegen die Wikinger, die man heldenhaft besiegt haben will. Vielmehr hat es sich wohl um eine üble Familienfehde gehandelt, die am Ende Tausende von Toten gefordert hat.

Doch die Eigenständigkeit, wenn man es so bezeichnen will, haben die Regenten Englands ohnehin nicht lange zugelassen, erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts entstand ein eigener Staat, der allerdings nicht die ganze Insel umfasste (Nordirland blieb britisch) und dessen Entstehen schon von blutigen Kämpfen begleitet war. Konflikte waren vorprogrammiert, erst mit der Jahrtausendwende brachte der Friedensprozess die Wende.

Wenn Irland, dann darf natürlich James Joyce und „Ulysses“ nicht fehlen. Mit Werk und Autor befasst sich ein eigener Artikel und ein weiterer nimmt den Leser mit auf einen Besuch in einen Pub. Whiskey, Guinness darf man sich nach so viel Wissenswertem durchaus gönnen.

Im Übrigen erfährt man in der neuen Ausgabe, dass Surfen schon im 4. Jahrhundert vor Christus in Mode war. Der Regierungsbunker, der einst die Mächtigen in Bonn hätte schützen sollen, hätte wohl im Ernstfall seine Funktion nicht wirklich erfüllt. Zudem wird äußerst prägnant Vincent van Goghs Leben und Werk beschrieben, Julius Cäsars angebliche Epilepsie hinterfragt und ein Ausflug nach Manaus unternommen, der brasilianischen Metropole im Regenwald.

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