Zahlschranke der SZ sollte Schule machen

Zugegeben: Als Leser der Süddeutschen Zeitung ist das keine Nachricht, bei der Freude aufkommen will. Die SZ führt eine Bezahlschranke für das Internet ein. Nach zehn frei zur Verfügung stehenden Artikeln wird es den Nutzer etwas kosten, wenn er gewahr werden will, was ihn im elften Artikel erwartet. Das kann dann mal ein bisschen was kosten.
Um sich mal vor Augen zu führen, was die Süddeutsche hier einführt, sei ein Vergleich gewagt. Klar, Vergleiche hinken immer. Nehmen wir uns mal einen handelsüblichen Lebensmittelladen vor. Der Käufer hat seinen Warenkorb schon mit zehn Artikeln gefüllt, von Milch über Käse und Kaffee bis hin zu Müllbeutel. Theoretisch könnte er jetzt den Laden verlassen – ohne zur Kasse gebeten zu werden. Packt er aber nun noch eine Schokolade hinzu, tippt ihm ein Verkäufer auf die Schulter und bittet ihn, dafür müsse er nun doch wohl etwas zahlen. Dass ein solches Geschäft nicht lange überleben kann, versteht sich von selbst.
Nun  haben wir es in der Zeitungsbranche aber mit einer Situation zu tun, bei der das SZ-Modell geschaffen wird, um Erträge zu generieren. Denn bislang verfahren die meisten Redaktionen nach dem Motto: „Alles muss raus“, deshalb nimm‘ jeder was er kriegen kann, alles ist umsonst. Dass eine solches Konzept direkt in den Ruin führt, dazu braucht man keine Betriebswirtschaft studiert haben. Die Folgen erleben wir seit gut drei Jahren und ein Ende des Zeitungssterbens ist nicht in Sicht. Daher ist es gut, wenn die SZ eine Paywall schafft  und das Beispiel sollte Schule machen. Journalismus wird heute dringender denn je gebraucht, nicht nur, weil sich die internationale Großwetterlage einmal mehr ändert, sondern auch, weil die Welt immer komplizierter wird  und es Menschen bedarf, die sortieren, erklären und bewerten können.
http://meedia.de/2015/03/23/sueddeutsche-zeitung-am-dienstag-soll-die-paywall-kommen/

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