Migration fordert ethische Antworten

Sie wurde in demselben Jahr gegründet wie die Bundesrepublik: die Kommende, Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn. Bei der Feier zum 65-jährigen Bestehen am Wochenende standen aber nicht nur der Blick zurück im Vordergrund, sondern auch Standortbestimmungen und Zukunftsperspektiven. Zusätzliche Akzente setzte die Kommende, indem sie den Förderpreis Sozialethik an Dr. Wolf-Gero Reichert für seine Arbeit „Finanzregulierung zwischen Markt und Staat“ verlieh und einen Sonderpreises an Jonas Koudissa vergab, der sowohl ein Buch zum Thema „Ethik und Migration“ geschrieben hat als auch derzeit in Brazzaville eine Sozialakademie aufbaut.
Reichert habe sich einem Themengebiet zugewandt, das bislang aus christlich-sozialethischer Sicht kaum behandelt worden sei, unterstrich Detlev Herbers, stellvertretender Leiter der Kommende. Das Buch stehe für eine anwendungsbezogene Ethik und setze sich mit der Frage auseinander, welche moral-ethischen Implikationen für ein stabiles Finanzsystem erforderlich seien. Dabei werde unter anderem erörtert, wie eine Balance zwischen Selbstregulierung des Marktes und der Unternehmen auf der einen Seite sowie der Regulierung durch den Staat auf der anderen Seite aussehen könne.
DDr. Jonas Koudissa, der fast 20 Jahre in Deutschland gelebt und der 2013 an der Tübinger Katholisch-Theologischen Fakultät promoviert wurde, wendet die „Grundprinzipien der Menschenwürde, der Solidarität und der Gerechtigkeit auf die konkreten Herausforderungen an, die sich durch die afrikanische Migration ergeben“, schreibt DDr. Richard Geisen, Dozent der Kommende, in der Rezension zu dem Buch des Theologen, der am Tag vor den Feierlichkeiten aus der Republik Kongo angereist war. Koudissa wolle vor allem hervorheben, dass es dauerhaft um den Aufbau gerechter Strukturen im Finanz-, Wirtschafts- und Warenverkehrssystem, um die angespannte Situation, wie sich derzeit darbietet zu verändern. Detlev Herbers betonte in seiner Ansprache, dass das Buch zwei besondere Merkmale auszeichne: Zum einen verfüge der Autor aufgrund seiner Herkunft über profunde Kenntnisse der afrikanischen Verhältnisse, zum anderen verwende er in seiner Analyse und Argumentation eine Vielzahl empirischer Studien. Eine Ethik der Migration unterstütze das Anliegen von Papst Franziskus, der beim 7. Weltkongress zur Migrantenseelsorge an der Päpstlichen Universität Urbaniana auf eine der wesentlichen Botschaften der katholischen Gemeinschaft hingewiesen habe: „Keiner ist fremd, und deswegen soll jeder Mensch mit Würde empfangen werden, denn jeder Mensch verdient eine Stütze.“
Hilfe für die Armen und Bedrängten stand auch in direkter Beziehung zum Evangelium des Festtages. Mit den Versen aus Matthäus 25 wird nach den Worten Bischof em. Adrianus vam Luyn SDB, der die Festpredigt hielt, eine der wichtigsten oder auch die bedeutendste Leitlinie des Christentums deutlich: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr auch mir getan“. In der Diözese haben sich Jugendclubs gebildet, die sich den Namen nach der Bibelstelle gegeben haben, berichtete der emeritierte Oberhirte und rief dazu auf, ihnen nachzufolgen.
Praktisches Beispiel für die Umsetzung bietet die während der Feier von Prälat und Leiter der Kommende, Peter Klasvogt, vorgestellte Stiftung „socio Movens“: Angehende Priester organisieren jugendsoziale Projektwochen mit Schülerinnen und Schülern aus Osteuropa. Das gemeinschaftliche Erleben trägt dazu bei, sich ausgehend vom christlichen Menschenbild mit den sozialen und ökologischen Herausforderungen der Zeit auseinanderzusetzen.

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