Chancen und Grenzen der Stiftung Vielfalt und Partizipation

Mir der Ausschreibung der Projektleiterstelle für die Stiftung Vielfalt und Partizipation haben die Planungen, die Medienvielfalt in NRW zu stärken, eine nächste Stufe erreicht. Nach Worten von Dr. Jürgen Brautmeier, Leiter der Landesmedienanstalt NRW, beim Journalistentag in Dortmund (15. November 2014) sind inzwischen auch rechtlich die Ziele der Stiftung festgezurrt, die den Rundfunk und vergleichbare Telemedien fördern und stärken soll.

Eine finanzielle Summe enthält der Gesetzestext nicht, die LfM habe aber in einer Selbstverpflichtung zugesichert, jährlich 1,6 Millionen Euro aus den Gebühreneinnahmen zu zahlen. Brautmeier erinnerte daran, dass Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mal den Betrag von 10 Millionen Euro ins Spiel gebracht habe, doch davon sei inzwischen nicht mehr die Rede. Die Stiftung und auch die gemeinnützige GmbH (gGmbh) werden sich nach Aussage des LfM-Chefs mit der Entwicklung der sozialen Medien auseinandersetzen und ein besonderes Augenmerk auf Aus- und Weiterbildung richten. Und es werde darauf ankommen, die „Nutzer mitzunehmen“.

Natürlich brauche man Partner auf unterschiedlichen Ebenen. Vorteilhaft wäre es sicherlich, solche Partner zu finden, die auch mit eigenem Geld dazu beitragen können, das Engagement der Stiftung zu flankieren, meinte Brautmeier.
Zu den Prinzipien der Stiftung werden ihre Staatsferne, die Staatsvertragsgebundenheit und ihre Wettbewerbsneutralität gehört. Zur Meinungsvielfalt beizutragen ist ein weiteres Anliegen. Die Politik habe hohe Erwartungen an das Engagement. „Wir können nicht alles halten.“

Kritik an der Stiftung

Brautmeier verhehlte nicht, dass ihm der Aufbau der Stiftung „zu langsam geht“. Dabei belegen neue Zahlen, die während der Podiumsdiskussion im Dortmunder U genannt wurden, wie rasant das Zeitungssterben in NRW vorangeht. Lebten noch im Jahr 2010 insgesamt 28 Prozent der Bevölkerung von NRW in so genannten „Ein-Zeitungs-Kreisen“ waren es zu Beginn 2014 schon 55 Prozent.

David Schraven, ehemals Chef des Recherchepools der WAZ und jetzt Leiter des Recherchebüros Correct!V, merkte kritisch an, dass die Stiftung über die Rundfunkgebühren finanziert werde. Seiner Aussage, der WDR müsse doch nun mit weniger Geld leben, trat Brautmeier entgegen. Die Rechnung könne man so nicht aufmachen.

Die DJV-Geschäftsführerin in NRW, Anja Zimmer, bemängelte dass die Stiftung zu wenig Geld habe und am Ende auch zu klein sei angesichts der enormen Herausforderungen, die aus dem Wandel der Medienlandschaft resultieren. Die Stiftung und auch die gemeinnützige GmbH (gGmbh) werde sicherlich keine neuen Jobs schaffen. Man könnte ihr eine Rolle zusprechen, nach der sie als ein erweitertes Gründerzentrums und als ThinkTank gesehen werden kann. Finanzielle Mittel könnten beispielsweise der Vernetzung interessierter Partner dienen und dazu verwendet werden, Netzwerk-Plattformen zu schaffen und sich mit Kooperationspartner in der Branche in Verbindung zu setzen.

Zimmer gab ferner zu bedenken, dass in anderen Ländern Printmedien direkt gefördert würden. Für David Schraven bieten die skandinavischen Länder, Österreich oder Frankreich aber eher abschreckende Beispiele. Nach Ansicht des Correct!V-Chefs sollten in Deutschland bzw. in NRW bestimmte Hürden abgebaut werden, wenn wie in der Rheinschiene die ehemaligen Mitarbeiter der WZ Internetportale errichten wollen. Vor allem die Steuerquote von 19 Prozent erweise sich als echtes Hindernis.

Unterhaltungswert

Zum Auftakt des Journalistentages hatte Professor Dr. Frank Überall mit Philipp Steuer, Richard Gutjahr (ARD, WDR, BR), Marie Meimberg (Verein 301+) und Dr. Nicola Balkenohl über die Perspektiven des Journalismus gesprochen und dabei unter anderem die Frage erörtert, ob es nicht an der Zeit sei, Journalismus mehr als Entertainment zu verstehen. Von der eigentlichen Bestimmung her sei das eigentlich nicht vereinbar, war eine der geäußerten Meinungen. Eine andere Ansicht bestand darin, dass viele Jugendliche es durchaus aus noch als journalistisches Angebot verstehen, wenn die Nachrichten auch eher einen gewissen Unterhaltungswert haben. Deutlich wurde in der Gesprächsrunde, dass die Rolle der Nutzer sich radikal ändert, sie werden immer stärker zu Akteuren, die Geschichten liefern oder auch ein kritisches Korrektiv darstellen. Dabei geht es nicht nur um Meinungen, sondern vielmehr auch darum, ob Namen, Daten, Fakten auch wirklich stimmen.

Der DJV-Landesvorsitzende Frank Stach hatte in seiner Begrüßung die Veränderungen im Journalismus in den Mittelpunkt gestellt und dazu aufgefordert, darüber nachzudenken, wie der Medienlandschaft wohl in zehn Jahren aussehen werde. Einen besonderen Dank richtete er an die DJV-Landesgeschäftsstelle, die trotz der enormen Belastung angesichts der zahlreichen Redaktionsschließungen und den damit betroffenen Kolleginnen und Kollegen, es geschafft habe, einen solches Mammutprogramm auf die Beine zu stellen. Rund 750 Journalisten hatten sich für den Tag im U angemeldet.

Die einzelnen Foren befassten sich mit Themen wie Verbraucherjournalismus, Bloggen als neue Möglichkeit des Online-Journalismus, den Einfluss von Social Media auf die Nachrichten oder Multimediales Storytelling. (http://www.journalistentagnrw.de/)

Anmerkung:

„Holzmedien“
Häufig war der Begriff „Holzmedien“ zu hören, der aber immer ein wenig unbestimmt bliebt. Dass es sich um den Printbereich handelt, liegt nahe. Solange der Begriff daher rührt, dass Zeitungen aus Papier bestehen, das aus Holz hergestellt wird, geht die Wortwahl in Ordnung. Sollte aber eher die Parallele zur Holzklasse in Flugzeugen gezogen werden, stimmt die Begrifflichkeit eher skeptisch. Denn ein Rumpeljournalismus, der die Ansprüche bewusst sehr niedrig hält und auch den Standard abschwächt, ist mit Zeitungen nicht verbunden.

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