Vom Trauma der Loveparade und den bleibenden Folgen

Über vier Jahre sind inzwischen seit der Loveparade-Katastrophe vergangen, doch vergessen kann Sven dieses Unglück nicht. Seine Freundin Klara ist bei dem Massengedränge auf dem Weg zur Technoparty gestorben, sie war eines der 21 Todesopfer. Er bemüht sich, wieder zurück in ein halbwegs normales Leben zu finden, doch der Weg ist steinig und kurvenreich, wie es Heinrich Peuckmann in seinem neuen Roman „Leere Tage“ erzählt. Zu allem Überdruss gerät er auch noch in Hader mit einem Arbeitskollegen, den er in seine Wohnung aufgenommen hat. Besagter Alex verkehrt nicht gerade in den besten Kreisen und hat Schulden beim Boss einer Gang, der vor Gewalt nicht zurückschreckt. Als der Kumpel nun Schutz sucht, will sich Sven nicht verschließen, zumal er sich in seinen vier Wänden ohnehin mutterseelenallein fühlt und er auch mit seinem Studium der Sozialarbeit ins Hintertreffen zu geraten scheint. Doch die Hoffnung, dass sich seine Stimmung heben würde, erfüllt sich nicht. Ob Alex nicht zu Sven passt oder umgekehrt, ob Sven doch in einer solchen Sinnkrise steckt, wodurch er mit sich selbst viel zu beschäftigt ist, sind mögliche Erklärungsmuster. Welches davon richtig ist oder alle gemeinsam zu beachten sind, das lässt der Roman offen. Am Ende will Sven seinen Mitbewohner nur noch loswerden und wählt dazu einen recht ungewöhnlichen Weg, der aber erkennen lässt, wie stark er die Belastung empfindet, mit Alex eine Wohnung teilen zu müssen. Dabei gerät er selbst noch in Gefahr.
Wie andere Romane von Heinrich Peuckmann, so spielt auch dieser im Ruhrgebiet, vornehmlich in Dortmund mit dem Nebenschauplatz Duisburg. Die Erzählung ist zwar nicht darauf ausgelegt, Anklage gegen die Verantwortlichen für die Loveparade-Katastrophe zu erheben, wohl aber kommt zum Ausdruck, welche Folgen ein solches Unglück in den Köpfen und in den Seelen der Angehörigen und Freunde hinterlässt. Zugleich zeigt Peuckmann schwierige soziale Wirklichkeiten auf, wenn er beispielsweise über die zerrüttete Familie von Klara schreibt. Man mag vortrefflich darüber diskutieren, ob der Autor damit nur Stereotype verfestigt oder aber daran erinnert, dass solche Lebensverhältnisse zum Alltag gehören – im Ruhrgebiet und anderswo.
Heinrich Peuckmann: Leere Tage, Assoverlag, 175 Seiten

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