Attacken der Verleger unverständlich: Eine Stiftung ist keine Gefahr

Noch vor Jahren schienen es fremde Welten zu sein, wenn es hieß, dass in den Vereinigten Staaten von Amerika Zeitungen nur dadurch überleben, dass man für ihre Existenz Stiftungen gegründet habe. Nun schickt sich auch NRW an, eine Stiftung aus der Taufe zu heben, die unter der Überschrift „Vielfalt und Partizipation“ dem Ziel gewidmet ist, journalistische Plattformen vor allem im Internet zu unterstützen. Auf Landesebene sollen dazu im Herbst die Weichen gestellt werden, berichtete jetzt Frank Stach, Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes bei der Jahreshauptversammlung des Pressevereins Ruhr. Rund 1,6 Millionen Euro sind wohl für das Projekt vorgesehen, das unter anderem ausloten soll, ob es für Internetseiten wie „Hallo Herne“, „Hallo Herten“ oder den Bergkamener Blog eine gemeinsame Dachmarke geben kann und wie sinnvoll so etwas ist. Zudem soll ein Erfahrungsaustausch der Journalisten ermöglicht werden, technische und wirtschaftliche Aspekte sollen behandelt sowie die Möglichkeit geschaffen werden, Recherchestipendien zu vergeben.

Nun sind solche Stiftungen auf Landesebene, so ehrbar die Idee ist, immer mit der Frage verbunden, ob auch die ausreichende Staatsferne gegeben ist. Darauf pocht beispielsweise der DJV. Woher das Geld kommen soll, ist offensichtlich noch nicht vollkommen geklärt. Gedacht haben soll man an die Landesmedienanstalt. Doch das letzte Wort ist noch längst nicht gesprochen.

Bedenken und Kritik sollen die Verleger geäußert haben, die eine solche finanzielle Unterstützung nicht möchten. Da braucht man noch nicht einmal Medienpolitiker zu sein, um ihre Position zu verstehen. Sie befürchten wahrscheinlich, dass mit öffentlichen Mitteln ihnen ins Handwerk gefuscht wird. Aber mal ehrlich: Erst gelingt es ihnen nicht, adäquat auf die Herausforderung Internet zu reagieren, dann gehen ihnen die Leser und Anzeigenkunden stiften, anschließend werden reihenweise Redaktionen geschlossen, Redakteure rausgeworfen. Da viele Journalisten aber ein gewisses Berufsethos mitbringen, machen sie unter anderen Vorzeichen weiter – oftmals ohne großen Verdienst, aber immer mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Das sollten Verleger eher zu würdigen wissen, weil diese Journalisten genau die Funktion wahrnehmen, derer sich immer mehr Verleger entledigen. Die Journalisten informieren und sorgen für Meinungsvielfalt. Da sind 1,6 Millionen Euro ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Verleger sollten das journalistische Engagement auch schon deshalb zu würdigen wissen, weil immer weniger Menschen diese Arbeit, die für eine Demokratie eine Lebensader darstellt, zu würdigen wissen. Deshalb muss immer wieder der Beweis angetreten werden, wie bedeutsam der Journalismus ist – ideologische Grabenkämpfe sind fehl am Platz.

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