Krisenmanagement in der Kirche gab es schon im Mittelalter

Das Mittelalter näherte sich seinem Ende, und die Kirche in Europa stand kurz vor dem Zerfall oder dem Abgrund, je nachdem wie man es bezeichnen will. Heutzutage würden Medien sicherlich vom bevorstehenden Aus der Kirche sprechen. Gemeint sind die Jahre im 15. Jahrhundert, als es nicht nur einen Gegenpapst, sondern gleich drei Männer gab, die alle den Anspruch erhoben, Pontifex sein zu wollen. Dieser Krisenzeit der Kirche wendet sich die neue Ausgabe des Heftes G/Geschichte zu und betrachtet diese Phase aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Zunächst einmal wird geklärt, wie die Kirche überhaupt in eine solche verfahrene Situation kommen konnte und trotz des beherzten Versuchs, die Einheit der Kirche zu wahren, das bisherige Gefüge zerfiel. Wie es aber dann doch gelingen sollte – und daran hatte der römisch-deutsche König Sigismund maßgeblichen Anteil – das Schisma zu überwinden, wird in weiteren Artikeln beschrieben. Die Wende wurde durch das Konzil von Konstanz (1414 bis 1418) erreicht, wobei ein Aufsatz des Heftes der Frage gewidmet ist, wie denn eigentlich eine mittelalterliche Stadt damit umgeht, wenn plötzlich Scharen von Würdenträgern und Herrschern Einzug halten und zunächst einmal bleiben. Der Leser gewinnt ein sehr anschauliches Bild davon, wie eine Stadt an ihre Leistungsgrenzen gerät. Eine Stadt im Ausnahmezustand. Da Vergleiche immer hinken, mag es müßig sein zu überlegen, ob der Besuch eines US-Präsidenten in Berlin weniger Aufwand bedeutet.

Dass übrigens der Mann, der am Ende als neuer Papst aus dem Konklave hervorging, weder Priester noch Bischof zuvor war, ist schon eine Art Treppenwitz der Geschichte und eine sehr interessante Lektion des Heftes. Ebenso spannend sind die Portraits zweier weiterer wichtigen Persönlichkeiten, man könnte sie auch als Widerständler bezeichnen, nämlich den Reformer Jan Hus und die Mahnerin (und Mystikerin) Katherina von Siena. Jan Hus hätte durchaus das Attribut „der Unbeugsame“ verdient, er bezahlte seine Überzeugung, die Kirche müsse dringend reformiert werden, mit seinem Leben. Dass er maßgeblichen Einfluss auf Martin Luther hatte, dass überhaupt dieses Kapitel aus der Kirchengeschichte weitreichende Folgewirkungen hatte, betont Professor Klaus Schatz im Interview.

Nun wird aber nicht nur eine wichtige Episode des Mittelalters in den Fokus gerückt, sondern G/Geschichte hat auch noch eine Reihe weiterer Artikel zu bieten. Weshalb heute in Metern gemessen wird und wieso es überhaupt einen Zollstock gibt, ist ein Thema, das dem Bereich Technik zuzuordnen ist. Dazu gehört auch der Artikel „Vernetzung der Welt“. Hier wird auf die Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum von Nürnberg hingewiesen, die die Anfänge der weltweiten Kommunikation im 19. Jahrhundert beleuchtet.

Aus Anlass seines 450. Geburtstages wird William Shakespeare mit seinem Leben und Werk gewürdigt. Und unter der Rubrik „G/Geschichte ermittelt“ erfährt der Leser von einem Kunstraub aus römischer Zeit, der alles Zeug für einen Krimi hat.

Kurz ein Nachtrag zum Kirchenthema: Nicht verwundert sein, wenn dort von Papst Johannes XXIII. die Rede ist, der nicht allzu gut wegkommt. Es handelt sich hier um einen Gegenpapst. Welch ein Gegensatz zu Papst Johannes XXIII, der für viele Christen zur Lichtgestalt wurde und der mit der Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils die Kirche in die Moderne führte.

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