Ein Jahr nach Ende der WR: Sorge um Zukunft des Journalismus hat sich noch weiter verstärkt

Ein Jahr nach Schließung der WR: Wie sieht es aus in der Medienlandschaft von Dortmund, dem Kreis Unna oder dem Märkischen Kreis? Der DJV hatte zu einer Podiumsrunde in die Dortmunder Stadtbibliothek eingeladen – oder besser gesagt zu mehreren Gesprächsrunden, um diese Frage zu klären, aber auch um nach vorne zu schauen. Denn wie es mit dem Journalismus weitergehen wird, das, so zeigte sich, ist ein wahrlich heikles Thema.

In der ersten Gesprächsrunde, an der Jutta Reiter, DGB-Chefin im östlichen Ruhrgebiet, ein seit wenigen Wochen pensionierter Vertreter der Kreishandwerkerschaft, ein Vertreter des Mietervereins und der SPD-Chef aus Neuenrade teilnahmen sowie Liedermacher Fred Ape teilnehmen war deutlich zu verstehen, dass die politische Diskussion enormen Schaden erlitten hat. Man habe den Eindruck, dass zahlreiche Themen überhaupt nicht mehr öffentlich behandelt würden, hieß es. Das sei für eine Demokratie eine sehr problematische Entwicklung. Gleichwohl beobachte man, dass die verbliebene Zeitung, die nun zwei Titel befüllt, bemüht sei, beispielsweise im kulturellen Bereich für eine größtmögliche Übersicht zu sorgen, unterstrich Fred Ape. So gesehen sei es so gar einfacher geworden, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, da man es printtechnisch gesehen, nur noch mit einem Medium zu tun habe. Die anderen Vertreter berichteten, dass Pressekonferenzen kaum noch stattfinden würden.

Wenn es sie dann doch noch gibt, rechnen die Veranstalter, wie der ehemalige WR-Redakteur Alexander Völkel und heutige Nordstadtblogger zu verstehen gab, gar nicht mehr unbedingt mit den klassischen Medien. Sein Blog sei inzwischen durchaus sehr angesehen und die Anbieter wären eher überrascht, wenn er oder seine Mitarbeiter nicht erscheinen würden. Völkel gab aber auch ganz deutlich zu verstehen, dass der Blog keine finanziellen Erträge erziele. Seiner Attraktivität unter vor allem jungen Journalisten tut das keinen Abbruch. Es wollen genug mitarbeiten, berichtete Völkel, er habe genügend Anfragen. Gehörte er zur zweiten Runde, in der Ex-WR’ler zu Wort kamen, ging es in der Abschlussrunde um die Zukunft des Journalismus, für die der Nordstadtblog eine passende Vorlage lieferte. Ulrike Kaiser, stv. Bundesvorsitzende des DJV, strich ebenso wie der Medienwissenschaftler Horst Röper heraus, dass die Finanzierbarkeit von unabhängigem Journalismus kein Thema sei, das gesellschaftlich diskutiert werde. Auch in der Politik habe die Zeitungslandschaft und ihre Entwicklung seit Gründung der Bundesrepublik keine wirkliche Beachtung gefunden. Wie Kaiser und Röper weiter darlegten, gibt es durchaus Bestrebungen zu schauen, wie ein Journalismus auf Dauer bezahlt werden kann. Stiftungsmodelle, Crowd-Funding, Auftragsarbeiten sind dabei nur drei Stichworte. Der DJV hat dazu auf Bundesebene eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich explizit damit befasst.

Was aus den WR-Kollegen geworden ist, das zeigte sich unter anderem in der zweiten Diskussionsrunde, als die ehemaligen Mitarbeiter von ihrem heutigen Tun erzählten. Der eine betreibt einen Blog für Bergkamen, zwei andere haben ein Magazin fürs Sauerland „erfunden“. Aber auch hier muss auf Dauer noch Geld verdient werden.

Fred Ape begleitete den Abend mit musikalischen Einlagen. Zum Schluss sang er „Heute hier, morgen dort“. Das Lied, meinte eine Kollegin, kennen wohl nur noch die wenigsten im Saal. Hoffentlich muss man das nicht auch eines Tages über den Journalismus sagen.

 

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